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FEEDBACK DER TEILNEHMENDEN ÜBER ZENTRALE ELEMENTE UND PRINZIPIEN DER ERLERNTEN METHODEN

 

Zentrale Elemente und herausgestellte Prinzipien der erlernten Methoden

Subsumierend können aus den Workshops folgende Ziele und Prinzipien abgeleitet werden, die für die Arbeit in interkulturellen Gruppen gelten:

 

  • Ziel ist es, niedrigschwellige Möglichkeitsräume für Menschen zu schaffen, diese zu empowern und als AkteurInnen einzubeziehen, d.h. einen Raum für Begegnungen zu kreieren, wo Menschen aufeinandertreffen und sich entfalten können. Dies setzt Vertrauen in die Person des Lernenden voraus und eine lernende Haltung im Umgang mit Unterschiedlichkeit: „Die TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten … Wichtig für mich ist es, ein ganzheitliches Vertrauen einfließen zu lassen in die Person des Lernenden“; “Listening to one another, accepting the different "conceptions" of the world, thanks to a presence and availability that need to be cultivated: during the lab we worked on the ability to "stay", breathe, be present and be open, perceive and feel yourself and others in a climate of trust”.

 

  • Im Vordergrund steht die Ermöglichung von Erfahrungen in einer geschützten Atmosphäre ohne Bewertung: “Very effective I felt, during all meetings, the importance of the direct experience and the lack of judgment as a key condition for the success of inclusion projects in a multicultural perspective. In fact, the free expression allows us to consider the error as a way to build knowledge or to discover personal potential and creative alternatives in carrying out a task.”

 

  • Von Bedeutung ist weiterhin die TeilnehmerInnen-, Gruppen- und Ressourcen-orientierung, das Lernen in der Gruppe sowie die Förderung der Gruppenresonanz. Es geht darum, TeilnehmerInnen in ihrem Lernprozess zu unterstützen und sie als gesamte Gruppe zu stärken. Dazu gehört ebenso, die inneren und äußeren Grenzen wahrzunehmen (was gehört zu mir und was gehört zum anderen?) sowie die Erfahrung der Durchlässigkeit zwischen Äußerem und Innerem (deutlich wird dies beispielsweise in der Übung der Beschreibung des Anderen und der Hypothesenbildung über die andere Person). Die/der Andere fungiert in diesem Prozess als persönliche Bereicherung. Aktivierungsspiele können dabei helfen, die Gruppe wieder zusammenzubringen, wenn sie zeitweise nicht synchron ist und auch Leichtigkeit in die Gruppe bringen.

 

  • Für die Dozierenden ist es ferner wichtig, einen angemessenen Rahmen aus Freiheit und Struktur bei den Aufgabenstellungen anzubieten: „Mir wurde bewusst, dass ich mich besonders gut auf Methoden einlassen konnte, wenn der Rahmen klar abgesteckt und es ebenso genug Raum für eigene Kreativität und eigenen Ausdruck gab. Ein ausgewogenes Verhältnis von Freiheit und Struktur ist also für mich besonders wichtig“. Ebenso sollen die Dozierenden Erfahrungen mit den eingesetzten Methoden mitbringen und wissen, was diese bewirken bzw. welche Kraft sie entfalten können: „Es ist wichtig, den „Geist“ dessen, was eine Methode anregen kann, zu erfassen und als LeiterIn diesen Prozess zu unterstützen. Es ist eine kaum spürbare Dimension im Prozess der Vermittlung“. Für das Anleiten braucht es hierfür auch ein sensibles Gespür für den richtigen zeitlichen Rahmen. Wie lange benötigt eine Methode, um einen vertieften Prozess anzuregen? Wie viel Zeit wird gegeben, um die Instruktionen zu verstehen?

 

  • Es hat sich gezeigt, dass in Gruppen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen auf einfache, aber nachhaltige Schritte besonders geachtet werden muss. Der Unterricht sollte spielerisch, kreativ, visuell und ohne Druck gestaltet werden. Dabei gibt es kein Rezept für kreative und partizipative Formen, sondern es können verschiedene Formen zur Anwendung kommen: „My experience in Wien started with games moments, and this fact maintained my idea that, to learn, joy and peaceful relationships are fundamental. Only this way the fatigue that every learning brings with could be accepted. We welcomed new people, we remembered the reason why everyone of us left a trace in the previous meeting with the others, we laugh and we hug each other.” Auch ist es immer wieder wichtig, die TeilnehmerInnen einzuladen, mit den Inhalten zu „spielen“, zu experimentieren, um einen anderen Zugang zu schaffen.

 

  • Der Fokus sollte nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Beziehung(en), Emotionen und Körper im Lernprozess gerichtet werden. Beispielsweise können theoretische Inputs auf körperlicher Ebene erfahren werden. Es geht darum am eigenen Leib die Erfahrung mit dem Körper zu machen und das „Tun“ in den Vordergrund von Lernprozessen zu stellen. Wissen kann nicht frontal vermittelt und erzwungen werden, aber Neugierde und Interesse an einem Thema geweckt werden: „Für mich erlebte ich die Körpersprache so stark, dass ich glaube, dass 80% der Kommunikation darüber laufen und die Worte kaum noch von Bedeutung sind und nicht wieder gut machen können, wenn vorher die Körpersprache Missverständnisse hervorgerufen hat“; „Ich habe in diesem Kurs gesehen, dass man zur Verständigung nicht unbedingt eine verbale Kommunikation benötigt, sondern sich auch ganz einfach mit Gesten und Musik verständigen kann. Das Schönste für mich war, zu sehen, dass sich viele Menschen mit verschiedenen Sprachkenntnissen trafen und sich trotzdem ohne Probleme verständigen konnten.“

 

  • Kontinuierlicher Wechsel zwischen Theorie und Praxis, Erfahrung und Reflexion sowie Erfahrung und Gestaltung prägen die Dynamik der Lernprozesse: Z.B. mündliche Präsentationen zu Trauma und Antirassismus (welche als neue Wissensimpulse wahrgenommen wurden) in Verbindung mit bestimmten Übungen (Aufstellungen im Raum). Genügend Zeit für Reflexion und Nachdenken nach den Übungen ist ebenso von Bedeutung: Reflexion begünstigt Ruhe und Ruhe begünstigt Reflexion. Der Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden untereinander und in der Großgruppe ist wichtig, um Raum für Fragen, Antworten und Verarbeitung/Verankerung zu gewährleisten. Bei einigen Methoden kann es notwendig sein, dass die Lehrenden den Sinn bzw. die Relevanz einzelner Methoden/Übungen sowie die Ziele zur Erleichterung des Lernprozesses noch einmal erläutern. Die Mischung aus konkreten körperlichen Aktionen und der nachgelagerten Gestaltung der Erfahrung zu zweit (über verschiedene Medien wie Zeichnen, Skulptur bauen) stellte ebenso eine gute Verbindung von konkreter Erfahrung und Umsetzung dar.

     

    Die Bewegungserfahrung wurde somit in eine andere „Sprache“ übertragen und damit in einer weiteren Form ausgedrückt: „Für sehr sinnvoll halte ich die anschließende Kunstarbeit, in der gemeinsam mit der Gruppe das Erlebte künstlerisch dargestellt wird und wir uns zudem eine Geschichte überlegen. Die Kreativität im Lernprozess war dadurch sehr präsent und hilfreich.“

 

  • Die Förderung des Fremdheitsgefühls bei allen TeilnehmerInnen kann ein weiteres hilfreiches Mittel sein, d.h. Methoden/Ansätze anzubieten, die für alle neu und eine Herausforderung darstellen, vielleicht sogar im ersten Moment irritierend sind. Durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden ist es möglich, die eigene Komfortzone zu verlassen, neue Möglichkeiten an sich zu entdecken und eigenen Gewohnheiten (auch Bewegungs- bzw. Sprach-/Klanggewohnheiten) zu entkommen: „Wenn manche TeilnehmerInnen in einer fremden Kultur und/oder Umgebung sind, entstehen automatisch Unterschiede und Fremdheit zwischen den Personen. Durch verschiedene Methoden (z.B. die Durchmischung der Gruppen, sodass immer ein Italiener neben einem Deutschen, neben einem Italiener usw. saß) wurde für alle eine neue, fremde Situation geschaffen, die eine Gleichheit schuf und es erleichterte, sich einander anzunähern.“

  • Für Lehrende und Lernende geht es in einer kontinuierlichen Suchbewegung in einem Trial-and-Error-Modus darum, aufmerksam im Gruppenprozess wahrzunehmen, wie sich Dinge entwickeln und wenn etwas nicht funktioniert, nach neuen Antworten und Wegen zu suchen. Dies setzt eine ständige Wachheit im Prozess voraus.

 

Konkrete didaktische Hinweise

  • Tragen von Namensschildern: Zu Beginn von Kursen eignet es sich, Namensschilder zu tragen, um alle Personen mit dem Namen ansprechen zu können.

 

  • Die Aufgabenstellungen klar, kurz und präzise ausdrücken: Konkrete, präzise Aufgaben-stellungen bringen die TeilnehmerInnen in das Hier und Jetzt (Beispiel Aufgabenstellung Schuhe): „What most impressed was seeing this large mixed group made up of more than seventy people who knew what to do and where to stay while being there for the first time.”

 

  • Für die Konzeption von Aufgabenstellungen ist trotz aller Offenheit und der Möglichkeit des Unvorhergesehenen sowie dem Aufnehmen der Themen der Teilnehmenden ein roter Faden als „Dramaturgie“ wichtig, damit wird den TeilnehmerInnen Struktur vermittelt. Diese Dramaturgie braucht es für einen gelingenden Spannungsaufbau von Beginn bis zum Ende eines Kurses.

 

  • Fokus auf Übergänge, um eine Gruppe halten zu können: Wichtig ist es, bei den Aktivitäten auf die Übergänge zu achten, auf die energetische und thematische Kontinuität der Gruppe, die Kohärenz und Einheitlichkeit des Ganzen: „The transition between the activities was soft, and the shared conduction was harmonious”; „Wie wichtig es ist, eine Gruppe nicht nur zusammenzuführen, sondern sie auch zusammenzuhalten.”

 

  • Wechsel der Sozialformen und Einbau von „sharing spots“: Wechsel von Einzelarbeit, Partnerarbeit und Gruppenübungen. Durch den kontinuierlichen Wechsel der Sozialformen werden neue Lernsituationen geschaffen. Arbeiten zu zweit wurden häufig als positiv herausgestellt sowie der kontinuierliche Wechsel von Aktion und Reflexion.

     

  • Achten auf Zeit und Raum: Das Gespür für die „richtige“ Dauer einer Methode ist eine bedeutende Komponente. Im Gruppenprozess muss darauf angemessen reagiert werden, wenn TeilnehmerInnen mehr Zeit benötigen, der individuelle Rhythmus jedes Einzelnen muss gewürdigt werden. Der Raum sollte kreativ genutzt werden. Um die Gruppe zusammenzubringen, bietet es sich immer wieder an, in Kreisform zu arbeiten.

 

  • Wiederholungen und Rituale: Durch die Wiederholung von Aktionen wird Sicherheit hergestellt. Wiederholungen (beispielsweise Begrüßungsrunde zu Beginn) haben gleichzeitig einen ritualhaften Charakter. Als Orientierung kann ein LEGO-Konzept hilfreich sein, indem sich Basisstrukturen wiederholen, aufeinander aufbauen, verschiedene Formen annehmen und sich wieder verändern.

 

  • Offene, nicht direkte Fragen: Um die TeilnehmerInnen anzuregen, kann es unterstützend wirken, im Kurs immer wieder offene Fragen zu stellen wie z.B. „Wie ist das für dich?“

 

Kompetenzen und Haltung der Dozierende

  • Bewusster Einsatz von Sprache: In den Workshops wurde meist versucht, ohne viel verbale Instruktionen, Aktionen geschehen zu lassen. Gleichzeitig fungierten Schlüsselworte und Gegensätze (z.B. glücklich/traurig, langsam/schnell) als verbale Anker und gaben durch Wiederholungen Sicherheit und förderten das Verstehen.

 

  • Präsenz (in der Körpersprache) /Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt: Der Präsenz im Sinne von konkret im Hier und Jetzt sein, kommt dabei eine wichtige Rolle zu: „Da sein, in der Aktion sein“. Es hilft Aufgabenstellungen bzw. Instruktionen nachzuvollziehen, wenn der gesamte Körper der Lehrperson involviert ist. Die Konzentration sollte nicht nur auf der Artikulation des gesprochenen Wortes liegen, sondern auch auf der Klangfarbe, der Melodie, der dazugehörenden Mimik und Gestik, um somit Begriffe umfassender zu verstehen und gleichzeitig die Intention wahrzunehmen, die mit dem Wort und dem Ausdruck verbunden ist. Von Bedeutung ist also die Anwendung einer klaren Körpersprache, die alle verstehen: „Ich beobachte die Körpersprache meiner Teilnehmer – soweit möglich – auch von mir bewusst und versuche auf dadurch wahrnehmbare Gefühle einzugehen“.

 

  • Motivation/Vision und Empathie: „Die AnleiterInnen waren sehr sympathisch und mitreißend“, es war ein eindeutiges Plädoyer, dass es solche Dozierenden braucht, die motivieren können und auch Visionen vermitteln, wo man hinsteuern kann, was möglich ist (Beispiel Qualität der Lieder in einer Fremdsprache). Weiterhin ist die Empathiefähigkeit von Bedeutung: „Authentisch sein. Mit Leidenschaft die Aufgaben angehen.”

 

  • Flexibilität und Lesen können, was die Gruppe signalisiert: Flexibilität wird benötigt in der Umsetzung und der erforderlichen Anpassung der Methoden an die Bedürfnisse der Gruppe: „Geduldig sein und nicht stur den Lehrplan fortsetzen, sondern sensibel sein für die Bedürfnisse der einzelnen Gruppenmitglieder und daraufhin flexibel reagieren. Keine Hierarchiestruktur zwischen Schüler und Lehrer. Ebene auf Augenhöhe schaffen“; Lesen können, was die Gruppe signalisiert und Kurs daraufhin flexibel abändern können“.

 

  • Relationale Kompetenzen/interkulturelle Kompetenzen/Wissen: Für die Arbeit in Gruppen bedarf es relationaler Kompetenzen. In interkulturellen Kontexten kann spezifisches Wissen (z.B. über Trauma, Antidiskriminierung) hilfreich sein.

 

  • Bewusstsein über den eigenen Führungsstil und Selbstreflexion mithilfe des Lerntagebuchs: Ebenso war ein wiederkehrendes Thema die Auseinandersetzung mit dem eigenen Führungsstil. Wie kann ich sicher den Weg derjenigen gestalten, die mir vertrauen, mir folgen? Hierzu ist Sensibilität und Verantwortungs­bewusstsein wichtig, um sich in die Anderen einfühlen zu können und somit den Weg der TeilnehmerInnen sicher zu gestalten? Eine eigene Reflexion des Führungsverhaltens in einem Lerntagebuch kann im Prozess unterstützend sein: “The first discovery was the one of the learning journal, the collection of notes and the observation. The process of writing and thinking about an experience was important because there wasn’t anything right or wrong and I used this journal even with my students to explain them the personal learning development and how to focus on key ideas. The reflection on the approach, the question about what is easy and what is difficult helps concentrating on our personal feelings during the learning process.” „Zentral für mich war zu erfahren, welche Fragestellungen nach den praktischen Übungen und Impulsen in mir entstehen und mich in dem Ringen was interkulturelle Kompetenz in der pädagogischen Arbeit für mich bedeutet weiter voranbringen. Im Lerntagebuch Fragen festzuhalten, die mich begleiten, anstatt Antworten zu generieren, war ein wichtiges Element der Selbstreflexion. Wann bin ich mir selbst fremd? Welche Kulturen trage ich in mir?“