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DAS PROJEKT

1. Einführung

 

Wie kam es zu diesem Buch, dieser Handreichung?

Im Rahmen des EU Projekts mit dem Thema „Innovatives Methodentool für eine multikulturelle Gesellschaft” haben Lehrende (ProfessorInnen, DozentInnen, Coaches, Studierende), die in unterschiedlichen Disziplinen und an unterschiedlichen Institutionen lehren und lernen, im Rahmen von vier Workshops ihre Methoden präsentiert und mit den an den Workshops Teilnehmenden praktiziert und analysiert. Ziel war es, die Wirkung interdisziplinären Denkens und Handels auf das Lehren und Lernen zu erproben, zu reflektieren und zu dokumentieren. Zudem hatte die Reflexion der persönlichen pädagogischen Haltung, Veränderungen von eingeschliffenen Lehr- und Lernmustern und deren Wirkung auf das pädagogische Handeln und die Interaktion mit anderen einen hohen Stellenwert.

 

Für wen ist es gedacht?

Die Methodensammlung ist für Lehrende und Beratende konzipiert, die in unterschiedlichen Disziplinen und in unterschiedlichen Institutionen arbeiten. Das Konzept will den Raum der Möglichkeiten für innovative Ideen öffnen und den Lehr- und Lernprozess mehrperspektivisch und mit einer weltoffenen pädagogischen Haltung verstehen. Die Lehrenden haben die Möglichkeit, zu experimentieren, die Aktivitäten in ihrem Kontext zu analysieren und sich überraschen zu lassen, welche Wirkung die jeweilige Methode auf die Lernenden und Lehrenden hat.

2. Hintergrund

 

Vor dem Hintergrund multikultureller Veränderungen werden im Bildungsbereich (Weiterbildungs­einrichtungen und Universitäten) innovative und kultursensible Methoden benötigt, um einen ge­lingenden interkulturellen Dialog zu ermöglichen. Das Erasmus+-Projekt wollte hierzu im Zeitraum von zwei Jahren an vier Standorten (Faenza/Italien, Palermo/Italien, Wien/Österreich, Freiburg/Deutsch­land, Vaterstetten/ Deutschland) verschiedene (neuartige) methodisch-didaktische Ansätze unter dem Aspekt interkultureller Begegnung praktisch erproben, den Austausch zwischen verschiedenen Institutionen und Teil­nehmenden anregen und die Methoden im Hinblick auf Anwendbarkeit und Nutzen in diversen pädagogischen Settings (u.a. Unterricht, Beratung, Gruppen- und Einzelcoaching) diskutieren. Hierzu fand eine Evaluation der einzelnen Workshops statt.

Als Besonderheit in dem Projekt sind die kooperierenden Institutionen dabei selbst voneinander verschieden – so wirken in dem Projekt zwei Volkshochschulen, zwei Universitäten und ein Theaterverein mit – und greifen folgerichtig auf unterschiedliche Traditionen und Herangehensweisen der Erwachsenenbildung im Kontext Flucht zurück. Ziel des Projektes war es, die methodischen Ansätze gemeinsam weiterzuentwickeln, um interkulturelles und globales Lernen als einen wechselseitigen und systemischen Prozess des sich Begegnens, sich

Kennenlernens zu begreifen – verbunden mit der Akzeptanz des Anderseins, der Reflexion der eigenen kulturellen Herkunft und der Bereitschaft, interkulturelles Lernen als einen umfassenden Dialog und nicht als reine Integrationsarbeit anzusehen.

3. Zielsetzung

 

Gesamtziel des Projekts ist es, ein innovatives fachbereichsübergreifendes Methodentool für den Einsatz in verschiedenen Bildungsbereichen (Hochschule, Weiterbildung) zu entwickeln, das den Teil­nehmenden ermöglicht, die aktuellen und zukünftigen pädagogischen Herausforderungen im Allgemeinen und im besonderen Rahmen der Migrationsbewegung anzunehmen, methodisch-didaktische Ansätze zu reflektieren und inter­kulturelle Kompetenzen in diesem Kontext zu erweitern. Richten sich die Workshops in einem ersten Schritt im Sinne einer Train-the-Trainer Struktur an Studierende und Dozierende im pädagogischen Feld, liegt der Schwerpunkt ebenso auf dem späteren Klientel, d.h. der späteren Nutzergruppe (hier spezi­fisch: Menschen mit Fluchterfahrung, Randgruppen der Gesellschaft und Teilnehmende von Weiterbildungsveranstaltungen), welche zukünftig an jenen Ange­boten/Seminaren/Beratungen partizipieren werden. Zugleich liegt dem Projekt ein interdisziplinärer Ansatz zu Grunde. Deshalb wurde während der Workshops in Form der Evaluation und bei den transnationalen Treffen über den Transfer der Methoden in andere Kontexte (Coaching, Beratung, Lehre, Politik) reflektiert.

Ein weiteres Ziel war es, einen interkulturellen Methodendialog zu führen und die Reflexion unterschiedlicher methodischer Ansätze in einem kurativen, offenen, kontext- und institutionenübergreifenden und integrativen Lehr und Lernraum anzuregen.

4. Beteiligte Institutionen

 

Im Projekt sind folgende Partnereinrichtungen beteiligt: Die Universität Palermo in Sizilien, der Verein Teatro due mondi in Faenza, die Volkshochschulen Simmering/Wien und Vaterstetten sowie der Forschungs- und Innovationsverbund FIVE e.V. an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Im Projekt kommen sowohl reflexiv-theoretische (systemische Strukturaufstellungen, systemischer, demokratischer Dialog nach Paulo Freire, Systemtheorie) als auch kreativ-körperorientierte Ansätze (theaterpädagogische Methoden: Forumtheater, Improvisationstheater im Stile der Commedia dell´Arte, tanztherapeutische Methoden, etc.) zum Einsatz.

5. Form der Evaluation

 

Zielsetzung

Der Forschungs- und Innovationsverbund FIVE e.V. an der evangelischen Hochschule Freiburg übernahm im Projekt die Evaluation der stattfindenden Workshops mithilfe qualitativer und quantitativer Methoden empirischer Sozialforschung. Die Prozessevaluation verfolgte dabei das Ziel, die Workshops zu evaluieren (Zielerreichung, Nutzen/Anwendbarkeit/Transfer der Methoden in die pädagogische Praxis, Kompetenzzuwachs Wissen und Können, Zufriedenheit) sowie die Ergebnisse konstruktiv für das zu entwickelnde Toolkit als Prozesselement bereitzustellen. Die entwickelten Eva­luationsmethoden hatten dabei das vorrangige Ziel, die TeilnehmerInnen zur Selbstreflexion anzu­regen und den Austausch über die Methoden zu ermöglichen. Die Methoden stellten also schon selbst ein Instrument dar, um sich kritisch mit der eigenen Handlungspraxis und professionellen Haltung im Kontext interkultureller Settings auseinanderzusetzen.

 

Entwickelte und eingesetzte Evaluationsmethoden im Detail

Im Projekt wurde zum einen ein FE1 Lerntagebuch entwickelt, welches von den Workshop TeilnehmerInnen nach jedem Workshop-Tag als Methode der Selbstreflexion genutzt wurde. Die Fragen im Lerntagebuch griffen dabei drei Aspekte auf: a) Reflexion der einzelnen Methoden, b) Bewertung des eigenen Lernprozesses sowie c) Weiterführung der Methoden in der eigenen Praxis. Da das Lerntagebuch als persönliches Journal konzipiert ist, können die persönlichen Erkenntnisse auf freiwilliger Basis in den teilstandardisierten Gruppendiskussionen FE2, E4 nach den ersten drei Tagen und am Ende der Workshop-Woche eingebracht werden. Am vierten Tag war vorgesehen, den Workshop für weitere TeilnehmerInnen aus der Umgebung zu öffnen (vorrangig Menschen mit Fluchterfahrung). Diese wurden nicht „künstlich“ nach der gemeinsamen Workshop-Einheit zu ihrer Zufriedenheit bzw. Bewertung des Workshops befragt, um sozial erwünschte Antworttendenzen zu vermeiden. Jedoch fand vom Forscherteam aus Freiburg eine Beobachtung der Teilnehmenden FE3 der Gesamtgruppe mit folgenden Schwerpunkten statt: a) Engagiertheitsgrad der Teilnehmenden (beispielsweise Motivation, an den Methoden mitzuwirken), b) Eingebundenheit der Einzelnen in die Gesamtgruppe sowie c) besonderen Vorkommnissen (möglichen Irritationen, Nachfragen von Seiten der Teilnehmenden etc.). Zum Abschluss der Woche erfolgte eine Gesamtreflexion des Workshops mittels Gruppendiskussion FE4 sowie Fragebogen FE5. Ebenso wurden die durchführenden ProjektleiterInnen zu ihren eingesetzten Ansätzen interviewt FE6 und gebeten, die Methoden nach einem vorgegebenen Raster zu verschriftlichen FE7. Ca. 3-4 Wochen nach den einzelnen Workshops wurden alle TeilnehmerInnen schließlich gebeten, ein Summary zu verfassen und herauszustellen, welche drei Methoden rückblickend besonders eindrücklich waren und umgesetzt werden FE8. Die einzelnen Evaluationsinstrumente sind zusammenfassend in der Tabelle 1 dargestellt.

6. Projektmanagement: Methodologie

 

Das Projekt war wie folgt ausgerichtet: Anhand von vier Workshops à 5 Tagen an den verschiedenen Stand­orten der beteiligten Partnerinstitutionen wurden die TeilnehmerInnen mit diversen An­sätzen/Methoden theoretisch und praktisch vertraut gemacht. In diesen Workshops wurden innovative methodisch-didaktische Ansätze ausprobiert, analysiert und bewertet. An den thematisch wechselnden Workshops nahmen von jeder Partnereinrichtung jeweils 3-5 TeilnehmerInnen aus dem pädagogischen Feld (Studierende, Dozierende) teil, die die Methoden der einladenden Einrichtung praktisch erprobten und evaluierten. Die Teilnehmenden unterrichten in unterschiedlichen pädagogischen Kontexten (Sprachen, Kunst und Kreativität, Interkultur, Gesundheitsbildung, Kinder und Jugendarbeit, Integrationsarbeit für Geflüchtete).

In den einzelnen Workshops stellte die Seminarleitung verschieden Methoden vor, die in unterschiedlichen Kontexten (Theaterarbeit, Seminare in der Erwachsenenbildung, in der sozialpädagogischen Ausbildung von Studierenden, in der Bildungsberatung) an Universitäten und in Weiterbildungseinrichtungen eingesetzt werden. In der Reflexionsphase während der Workshops reflektierten die Teilnehmenden nach bestimmten Kriterien über die Seminarinhalte. Die Ergebnisse flossen in die Evaluation der vier Workshops. In den transnationalen Treffen reflektierten die Projektverantwortlichen erneut in ganzheitlicher Form (Kognition, Körperwahrnehmung) über die vorgestellten Methoden.)